Die Stellung des Heiligen Korans aus der Sicht der Gefährten und ihre Ehrfurcht davor

Von Sheikh Hammad Ibrahim, Absolvent der Al-Azhar-Universität

Der Heilige Koran war für die erste Generation der Muslime kein Buch wie alle anderen Bücher und auch keine nur verlesene und danach wieder vergessene Ansprache. Vielmehr war er für sie ein Licht, das vom Himmel herab strahlte, um das Antlitz der Erde zu verändern, und er war für sie das Wort Gottes, welches den Lauf der Menschheitsgeschichte gewendet hat.

Die Gefährten des Propheten (Sahaba) erkannten vom ersten Augenblick der Offenbarung an, dass diese Rede keine menschliche Rede ist und dass es sich nicht um ein Wissen wie jedes andere Wissen handelt, sondern um eine Offenbarung, die vom Allerhöchsten und Allmächtigen herab gesandt wurde, und die jeden, der ihr folgt, auf den geraden Weg führt und die Menschen aus den Finsternissen der Unwissenheit und der niederen Triebe zum Licht der Rechtleitung und Gewissheit führt. Sie nahmen den Koran nicht nur wie der Leser eines heiligen Textes in sich auf, sondern wie ein Mensch, der sich bewusst ist, dass er am Scheideweg der Ewigkeit steht und direkt die Ansprache des Schöpfers hört, mit der dieser sich an das Geschöpf wendet.[1]

Die Gefährten lebten mit dem Koran nicht als dessen beiläufige Empfänger, sondern als Zeugen des ersten Moments der Entstehung der Offenbarung, die den Ruf des Himmels hörten, das Majestätische der Ansprache spürten und ihr mit einem Glauben antworteten, der Herz und Verstand erfüllte. Sie sahen im Koran die absolute Wahrheit, an der kein Zweifel besteht, die Rechtleitung, die allein gesucht werden muss, und den Weg, der durch keine menschliche Meinung, Aussage oder Interpretation infrage gestellt werden kann.

Sie wussten, dass der Koran kein Buch der teilweisen Rechtleitung in nur einem Bereich des Lebens ist, sondern das höchste Prinzip, welches das Leben selbst neu definiert und die Beziehung zwischen dem Menschen und seinem Herrn sowie zwischen dem Menschen und dem gesamten Dasein festlegt.

Wie sollte es auch anders sein, da sie die Herabsendung der Offenbarung Moment für Moment miterlebt und seine Verse aus dem Munde des Propheten, Gottes Segen und Frieden seien auf ihm, frisch und rein, so wie sie offenbart worden waren, gehört hatten. So konnte ein einziges Wort ihr Wesen erschüttern und ein einziger Vers ihren Lebensweg ändern.

Sie wussten, dass es Gott, der Allmächtige, selbst ist, der da spricht und dass Seine Rede nicht von der Art ist, die als menschliche Rede gilt. Daraus erwuchs bei ihnen jenes tiefe Gefühl der Erhabenheit des Korans, und in ihren Herzen verschmolz der Glaube mit der Ehrfurcht und das Wissen mit der Verherrlichung. So wurde der Koran für sie zur Quelle des Wissens, zur Quelle des Bewusstseins und zur Triebkraft der Geschichte.

Ihre Beziehung zum Koran war eine Beziehung des Glaubens, der Verehrung und der Furcht und nicht eine Beziehung der bloßen Wiederholung und des mechanischen Rezitierens. Wenn sie ihn lasen, waren ihre Herzen demütig; wenn sie ihn hörten, wurden ihre Gefühle erregt; und wenn sie über ihn nachdachten, fühlten sie, dass Gott sie persönlich ansprach. Sie betrachteten ihn nicht wie jemand, der einen Text erlernt, sondern als Gläubige, die die Ansprache ihres Herrn empfangen, um sich in dieser Welt und im Jenseits danach zu richten. Sie erkannten, dass der Koran nicht nur Worte sind, die eine Bedeutung vermitteln, sondern eine göttliche Wahrheit, die tief in die Seele eindringt und Verstand und Herz neu formt.

Während sie Menschen waren, die sowohl Stärken als auch Schwächen besaßen, kehrten sie, sooft sie Fehler begingen, zum Koran zurück, und sooft ihre Herzen schwach wurden, erinnerten sie sich an seine Verse und kehrten um. Der Koran war für sie keine intellektuelle  Zierde, sondern ein existentieller Zufluchtsort. Er war ihre Sicherheit, wenn die Füße ins Wanken gerieten, ihre Stütze, wenn das Herz sich verengte, und ihr Leuchtfeuer, wenn die Finsternisse zunahmen. Diese existenzielle Verbundenheit mit dem Koran war es, die die Generation der Gefährten von allen späteren unterschied, denn sie betrachteten ihn nicht als ein Buch im Regal, sondern als ein Bündnis, welches den Himmel mit der Erde verknüpft.

Die Gefährten waren überzeugt, dass dieses Buch nicht die Rede eines Menschen und auch nicht die Rede eines inspirierten Propheten ist, sondern die Rede Gottes, der die Geheimnisse der Seelen kennt und sie zu dem leitet, was ihrem Wohl dient. Daher war ihre Sichtweise darauf eine tief metaphysische, nämlich: Es ist eine Offenbarung aus der Höheren Welt, die weder durch Zeit noch Raum begrenzt ist und nicht mit menschlichen Wissenschaften oder Methoden gemessen werden kann. Sie behandelten den Koran nicht wie jemand, der etwas über Gedanken oder Weisheiten liest, sondern wie jemand, der eine direkte Anweisung vom Schöpfer erhält und das Gefühl hat, als ob jeder Vers nur für ihn allein geschrieben worden wäre. In jedem Gebot, Verbot, Versprechen oder jeder Warnung sahen sie sich selbst angesprochen und hielten bei der Bedeutung inne; wie jemand, der sich vor Gott selbst überprüft.

Sie verstanden, dass der Koran nicht nur ein Buch der abstrakten Glaubenslehre oder einer begrenzten Gesetzgebung ist, sondern ein Buch für das ganze und für das ideale Leben: ein umfassendes System des Wissens und eine Denkweise, die den Menschen mit seinem Schöpfer und dem Kosmos um ihn herum verbindet. Sie erkannten, dass er die Regeln des Verhaltens, die Maßstäbe der Moral, die Prinzipien der Gerechtigkeit und Güte enthält, und dass er kein Buch über eine einzelne Wissenschaft ist, sondern die Quelle aller Wissenschaften; aus ihm entspringt die Überzeugung, und an ihm wird die Wahrheit gemessen. Deshalb sagten sie: Wer Wissen erlangen möchte, soll mit dem Koran beginnen, denn der Koran ist es, der dem Wissen seinen Zweck verleiht und seinen Wert bestimmt.

Daher suchten sie die Rechtleitung in nichts anderem und bezogen ihre Konzepte nicht aus anderen Quellen, nachdem der Prophet (Friede sei mit ihm) sie davor gewarnt hatte, Rechtleitung in den zuvor verfälschten Schriften zu suchen.[2]  So entstand in ihren Seelen eine klare Trennung zwischen Licht und Finsternis, zwischen der vollkommenen Wahrheit und dem offenkundigen Irrtum (und sie erkannten): dass die ganze Wahrheit im Buche Allahs liegt und dass alles andere an seinem Maßstab gemessen wird und nicht unabhängig von ihm bestehen kann. Sie entwickelten ein tiefes koranisches Bewusstsein, welches besagt, dass wahre Erkenntnis nur aus einer unfehlbaren, unveränderlichen Quelle gewonnen werden kann und dass jeder Verstand, der sich nicht von der Offenbarung leiten lässt, ein Gefangener von bloßen Vermutungen bleibt.

Die Verehrung des Korans durch die Gefährten (Sahaba) war unbeschreiblich groß. Wenn der Koran erwähnt wurde,  wandten sich ihm ihre Herzen noch vor ihren Ohren zu, und bei der Verlesung seiner Verse  wurden ihre Körperglieder noch vor ihren Stimmen demutsvoll. Sie lasen ihn nicht nur, um Belohnung zu erlangen, sondern auch, um Wissen zu suchen und zu verstehen, weil sie erkannten, dass die größte Belohnung im Handeln nach seinem Inhalt liegt. Sie wussten, dass Allah denjenigen erhöht, der den Koran ehrt, und denjenigen beiseite lässt, der ihn vernachlässigt. Deshalb bewahrten sie ihn in ihren Herzen, bevor sie ihn in ihren Schriftzeilen festhielten. Ihre Bewahrung bestand nicht nur im Auswendiglernen von Worten, sondern in der Bewahrung eines tiefen Bewusstseins und Verständnisses von den großen Bedeutungen. Sie sagten: “Wir lernten den Glauben vor dem Koran, und als wir den Koran lernten, nahm unser Glaube dadurch zu”, weil der Koran dem Verstand Einsicht und den Herzen Gewissheit schenkte.

Ihre Heiligung der Worte des Korans war Ausdruck ihrer Verehrung für seine Bedeutung. Sie berührten ihn nur in einem Zustand der rituellen Reinheit, lauschten seiner Rezitation still und ehrfürchtig und spürten stets, dass der Rezitator die Worte wiederholte, die von Allah selber kommen. Wenn sie einen Vers des Gebots oder Verbots hörten, fühlten sie, dass Allah ihnen befahl, und wenn sie einen Vers der Verheißung oder Warnung hörten, spürten sie – als stünden sie vor dem Gericht – sowohl Furcht als auch Hoffnung.

Dennoch war ihre Verehrung keine Verehrung von Ritualen oder Äußerlichkeiten, sondern eine Verehrung des Bewusstseins und Wissens. Sie sahen im Koran ein Konzept für die Existenz und nicht nur einzelne Gesetze. Er war für sie die Quelle des höchsten Wissens, das den Menschen sich selbst erkennen lässt, seinen Zweck bestimmt und ihm die Türen zum Verständnis vom Universum und vom Leben öffnet. Sie verstanden, dass der Koran den Menschen lehrt, wie er denken soll, bevor er ihn lehrt, worüber er denken soll, und dass er den Verstand zu Monotheismus, Ordnung und Übereinkunft erzieht, nicht zu Chaos und Spaltung.

Sie sahen, dass der Koran in seinem Geist das enthält, was kein anderes Buch enthält, und dass er Geheimnisse der Existenz in sich birgt, die den Menschen in jeder Angelegenheit seines Lebens leiten. Einer von ihnen sagte sogar: “Wenn ich das Halfter meines Kamels verlieren würde, würde ich es im Buch Allahs finden.” Er meinte das nicht im wörtlichen Sinn, sondern wollte ausdrücken, dass der Koran ein Licht der Rechtleitung enthält, das ihm hilft, jede Lebensangelegenheit zu verstehen, weil der Koran für die Gefährten kein partieller Text sondern eine ganzheitliche Vorgehensweise war, die das Denken lenkt und das Gewissen formt.

Aus dieser Vorstellung heraus entstand ihre koranische Philosophie der Betrachtung des Lebens, nämlich: dass alles im Universum dem Gesetz Allahs unterworfen ist und dass die Rechtleitung nur in der Befolgung dieses Gesetzes liegt, welches der Koran im Detail darlegt. Deshalb lebten sie in der unerschütterlichen Gewissheit, dass derjenige gerettet wird, der am Koran festhält, und derjenige irrt, der sich von ihm abwendet, und dass der Verstand die Wahrheit ohne das Licht der Offenbarung nicht erreichen kann.

Der Koran formte ihr Bewusstsein, baute ihren Verstand auf und kultivierte in ihnen eine ausgewogene Sichtweise, die Glauben und Verstand, Geist und Intellekt, Wissen und Handeln vereint. Sie absolvierten keine Schulen der Philosophen und Lehren in den Palästen der Könige, sondern besuchten die Schule der göttlichen Offenbarung, die den Menschen zeigt, sich selbst, seinen Herrn und die Welt um ihn herum zu verstehen. Durch den Koran erkannten sie die Wahrheit des Menschen, die Funktion der Existenz, die Grenzen der Freiheit, die Bedeutung der Gerechtigkeit und das Wesen der Moral. Der Koran wurde für sie zu einem Buch der kosmischen und menschlichen Philosophie par excellence, das sowohl Wissen als auch Verhalten begründet.

Sie lernten aus dem Koran, dass Bescheidenheit trotz Macht, Barmherzigkeit trotz Sieg, Geduld während der Prüfung und Dankbarkeit während Wohlstand nicht nur soziale Tugenden sind, sondern existentielle Haltungen, die aus dem Bewusstsein der wahren Beziehung zwischen dem Diener und seinem Herrn entspringen. Sie verstanden, dass Moral nicht bloße Gewohnheit ist, sondern Manifestation der Gewissheit über Allah und dass der Koran die Richtschnur ist, an der alle Werte gemessen werden.

Keiner von ihnen ging an einem Vers vorbei, ohne darin eine Ermahnung für seinen Verstand, die vor der Ermahnung seines Herzen geschieht, zu sehen, sowie eine Erinnerung an die Grenzen seiner menschlichen Erkenntnis angesichts des absoluten göttlichen Wissens. Sie sagten: „Wer Allah liebt, liebt Sein Wort.“[3] So führte ihre Liebe zu Allah zur Liebe des Korans, und die Liebe des Korans mehrte ihr Verständnis von Allah. Der Koran war für sie der Weg der Erkenntnis ebenso wie der Weg der Anbetung.

Die Ehrfurcht vor dem Koran erfüllte ihre Herzen, wann immer er ihnen rezitiert wurde, weil sie erkannten, dass der Sprecher Allah ist. Wie könnten die Herzen da nicht demütig werden? Und wie könnten die Augen nicht Tränen vergießen? Sie fühlten, dass sie von Allah angesprochen werden.  Wenn sie die Verse über das Paradies hörten, fühlten sie dessen Verheißung, als wären sie bereits dort, und wenn sie die Verse über das Feuer hörten, erbebten ihre Herzen, als stünden sie am Rande davon.

Weil sie wussten, dass der Koran Allahs Wort ist, wagte keiner von ihnen, ihn ohne Wissen zu deuten oder in seine verborgenen Bereiche mit bloßem Verstand einzutauchen. Sie behandelten ihn nicht mit einem überheblichen sondern mit einem demütigen Verstand, der wusste, dass das menschliche Denken die Absicht Allahs nur durch das Licht Allahs erkennen kann. Jeder von ihnen saß während der Rezitation wie ein Schüler vor dem göttlichen Lehrer: mit Demut, Besonnenheit und Einsicht.

Der Koran erzog sie zu dem ständigen Gefühl, dass Allah mit ihnen gegenwärtig ist, sie hört, zu ihnen spricht und sie leitet, und dass Seine Verse ihrem Alltag nicht fremd, sondern in jeder Situation ihres Lebens präsent sind. Der Koran war für sie ein ständiger Dialog zwischen Himmel und Erde, zwischen Offenbarung und Vernunft, zwischen dem Verborgenen und dem Sichtbaren.

Wenn Schwierigkeiten sie bedrängten, gab es für sie keinen andere Instanz für Orientierung als den Koran. Wenn die Versuchung (Fitna) eintrat, kehrten sie zu den Versen über die Geduld zurück, und wenn die Begierden sie auseinanderbrachten und zerstreuten, vereinte sie das Wort Allahs, des Erhabenen: „Und haltet alle fest am Seil Allahs.“[4] Der Koran war für sie das Haltetau Allahs, das sich zwischen den Dienern und ihrem Herrn erstreckt, der Ausweg aus jeder Not und der Wegweiser in jeder Finsternis. Ihre Stärke bezogen sie nicht aus ihren Schwertern, sondern aus ihrer Gewissheit über Allahs Verheißung an diejenigen, die Ihm gehorchen.

So lebten sie im schützenden Schatten des Korans und schöpften aus ihm in jeder Lage Gelassenheit, weil sie sahen, dass der Koran nicht nur ein Buch der religiösen Anleitung ist, sondern das System der Existenz selbst. Je weiter sich der Mensch von ihm entfernt, desto weiter entfernt er sich vom göttlichen System des Universums,  gerät in Unruhe und erleidet Verlust.

Trotz all dieser Verehrung und Ehrerbietung blieben sie Menschen, die neben dem Richtigen auch Fehler begingen. Aber der Koran war immer präsent, um sie zum rechten Weg zurückzuführen. Wenn einer von ihnen strauchelte, rechtfertigte er seinen Fehltritt nicht, sondern eilte zur Reue, weil der Koran ihn lehrte, dass Allah diejenigen anerkennt, die bereuen. Ihr menschliche Wesensart war kein Hindernis für das Licht, sondern eine Brücke dazu, und der Koran war es, der sie glattschliff und von Fehlern reinigte. Ihre Gemeinschaft war kein fehlerfreies Ideal, aber sie war lebendig und wusste, wie man zur Wahrheit zurückkehrt, weil der Koran unter ihnen die höchste Autorität und die stärkste Stimme war.

Ihre wahre menschliche Wesensart zeigte sich in Momenten der Schwäche, aber der Koran war die Kraft, die sie zurückführte. Sie war auch Teil der Glaubenserfahrung, die die Offenbarung veredelt. Sie erlebten den Kampf zwischen Unvollkommenheit und Vollkommenheit, aber der Koran balancierte sie aus, erinnerte sie und führte sie auf den Pfad der Rechtschaffenheit zurück. So wurden sie ein Beispiel für die geleitete Menschheit: Menschen, die Fehler machen, aber nicht darauf beharren, und schwach werden, aber nicht aufgeben, weil der Koran in ihren Herzen ist und sie nicht verlässt.

Sie erkannten, dass ihre Würde im Koran lag und dass ihre Schwäche nur durch die Abkehr von ihm entstehen würde. Also trugen sie ihn in ihren Herzen, lehrten ihn ihren Kindern und machten ihn zum Regelwerk für das gesamte Leben. Er war in ihren Augen nicht nur ein Buch der Anbetung, sondern ein Buch der Zivilisation und des charakterlichen Aufbaus des Menschen. Der Koran wurde unter ihnen zum Geist der Umma (Gemeinschaft) und zu ihrer intellektuellen und moralischen Stütze, und aus ihm entsprang ihre Identität und ihr Rang.

Eines der erstaunlichsten Dinge bei ihnen war, dass sie keine Trennung zwischen weltlichem Leben (Dunya) und Religion (Din) vornahmen, noch zwischen Wissenschaft und Glauben. Denn sie sahen im Koran einen umfassenden Ansatz (Manhadsch), der das gesamte Leben regelt: Anbetung und Dienen, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Denken und Handeln. In ihren Augen war daher jede „Erkenntnis“, die nicht aus dem Koran geschöpft wird, Irreführung (Dalāl); jede „Gerechtigkeit“, die nicht auf ihm beruht, Ungerechtigkeit (Ẓulm); und jede Zivilisation, die nicht auf ihm aufgebaut wird, dem Untergang geweiht.

Der Rang des Korans, den er in den Seelen der Gefährten (Aṣ-Ṣaḥāba) einnahm, war ein Rang, der von keinem anderen übertroffen wurde, und sein Einfluss auf ihr Bewusstsein war zu tief, um ihn vollständig beschreiben zu können. Sie liebten ihn mit einer Liebe, die die Grenzen des bloßen Gefühls überschritt, und ehrten ihn mit einer solch großen Ehrerbietung, wie sie die Geschichte keines Volkes bezüglich der Ehrerbietung eines Buches kennt. Sie sahen in ihm das Leben der Herzen, das Licht der Augen und den Spender von Freude und das Geheimnis der Existenz. Sie lebten durch ihn und für ihn, betrachteten ihn als den Wegweiser und Erzieher und den Führenden in den Finsternissen der Seele und der Welt. Und auch wenn sie keine Engel waren, so waren sie doch Menschen, die Gott durch den Koran ehrte, sodass sie durch ihn das beste Volk wurden, das für die Menschheit hervorgebracht wurde.

So blieb der schützende Schatten des  Korans in ihrem Dasein die Quelle des Lebens, der Schlüssel zur Rechtleitung und der Leuchtturm auf dem Weg. Wer ihrem Weg folgen möchte, soll den Koran so auffassen, wie sie es taten: als Richter über das Denken, als Wegweiser für das Verhalten, als Korrektur von Fehlern und als Antrieb für alles Gute und den Glauben. Sie nahmen folgendes Wort Gottes des Erhabenen ernst:

“Wer aber Meiner Rechtleitung folgt, der wird nicht irregehen und nicht unglücklich sein.”[5]

Und sie waren sich bewusst, dass die Abkehr vom Gedenken an Gott nichts als Bedrängnis erzeugt, denn Er, der Gepriesene, spricht:

“Wer sich aber von Meinem Gedenken abwendet, der wird ein beengtes Leben haben.”[6]

[1] Vgl.: Al-Ansari, Farid, Majalis Al-Quran (Koransitzungen).

[2]ʿUmar ibn al-Chattāb kam mit einem Buch zum Propheten (Friede sei mit ihm), das er von Leuten der Schrift [Juden/Christen] erhalten hatte. Der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) las es und wurde zornig. Dann sagte er: ‚Seid ihr verwirrt deswegen, oh Ibn al-Chattāb? Bei Dem, in Dessen Hand meine Seele ist, ich habe euch etwas Helles und Reines gebracht! Fragt sie nicht nach irgendetwas, denn entweder erzählen sie euch etwas Wahres, das ihr dann ableugnet, oder etwas Falsches, das ihr dann für wahr haltet. Bei Dem, in Dessen Hand meine Seele ist, wäre Mūsā [Moses] am Leben, so bliebe ihm keine andere Wahl, als mir zu folgen.‘“ Al-Haithamī, ʿAlī ibn Abī Bakr, Madschmaʿaz-Zawāʾid: Hadith-Nummer 179.

[3] Der Sprecher dieses Satzes ist Abū Saʿīd al-Charrāz, einer der bekannten Gnostiker (ʿUrafāʾ) aus dem dritten Jahrhundert nach der Hidschra (9.Jahrhdt.n.Chr.).

[4] Al-ʿImrān: Vers 103.

[5] Sure Ṭā-Hā, Vers 123.

[6] Sure Ṭā-Hā, Vers 124.

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