Erläuterung der schönsten Namen Gottes (Asma’ ul-Husna)

„Al-Razzaq“ und „ Al-Raziq“

„razaqa“ steht für eine besondere Gabe, die harmonisch und passend zum Zustand und den Bedürfnissen des Empfängers ist und ihn kontinuierlich und ununterbrochen erreicht. Unter Lebensunterhalt (Rizq) versteht man Gaben, die auf den Zustand und die dies- und jenseitigen Bedürfnisse der Wesen abgestimmt und angemessen sind und die Fortsetzung des Lebens in Übereinstimmung damit bewirken.[1]

In Bezug auf den weltlichen Lebensunterhalt heißt es im Koran: „ So schickt einen von euch mit diesen euren Silbermünzen in die Stadt; er soll sehen, welche ihre reinste Speise ist, und euch davon eine Versorgung bringen.“[2]

Andererseits wird der Begriff des Lebensunterhalts auch im Kontext des Jenseits verwendet. So heißt es im Koran über die Märtyrer: “Vielmehr sind sie lebendig bei ihrem Herrn und werden versorgt”[3]

Die Eigenschaft „Razzaq“ kommt von der Wurzel von “razaqa” und bedeutet seiner literarischen Struktur nach „vielversorgend“ oder „vielgebend“.

Unter Beachtung des Gesagten beschränkt sich der Lebensunterhalt nicht auf Nahrung, Kleidung und Unterkunft, sondern jede Art von göttlicher Gabe, die der Mensch in seinem materiellen und spirituellen Leben benötigt, ist ein Beweis für den Lebensunterhalt und die Gabe Gottes.

Wie gesagt wurde, ist der Lebensunterhalt jeder Sache entsprechend seiner Situation und seinen Bedürfnissen, und so wie materielle Nahrung der Lebensunterhalt für den Körper ist, unter dessen Schatten der Mensch oder jedes Lebewesen wächst und überlebt, so besteht der Lebensunterhalt der Sinneskräfte auch aus dem sinnlichen Erfassen, der Lebensunterhalt der Vorstellungskraft aus dem Verstehen imaginärer Formen, die Kraft der Angst aus dem Verstehen von Teilbedeutungen und die Kraft der Vernunftaus dem Verstehen allgemeiner Konzepte.

Demnach sind auch knifflige Wissenschaften und Lehren  im Zusammenhang mit dem Ursprung und der Auferstehung ein Lebensunterhalt, der den Bedürfnissen der Vernunft und der Seele des Menschen entspricht, die ihm vom erhabenen Gott gegeben wurden.

Das Wort „Razzaq“ wird im Koran fast siebzig Mal verwendet. Sätze wie „Er ist der Vielversorgende“ oder „der beste Versorger“ oder „Er versorgt euch vom Himmel und von der Erde“ werden alle verwendet, um eben diesen Namen und diese Eigenschaft des erhabenen Gottes zu beschreiben.

Im Koran lesen wir: „Gewiß, Allah ist der Versorger, der Besitzer von Kraft und der Feste.“[4]

Außerdem sagt er : „Und es gibt kein Tier auf der Erde, ohne daß Allah sein Unterhalt obläge’. “[5]

Außerdem heißt es : „Und im Himmel ist eure Versorgung und das, was euch versprochen wird.“[6]

Dieser Vers wird insbesondere so verstanden, dass die Bedeutung des Himmels eben jener spürbare Himmel und der Sinn des Lebensunterhaltes der Regen ist. Wie im Koran der Regen als göttliche Versorgung interpretiert wird: “was Allah an Versorgung vom Himmel herabkommen läßt und dann damit die Erde nach ihrem Tod wieder lebendig macht”[7]

Die in den Überlieferungsbüchern vorhandenen Überlieferungen haben auch das Versorgersein Gottes auf absolute und allgemeine Weise erläutert: „der Versorger jedes Versorgten” und „der Versorger des Ungehorsamen und Gehorsamen“.

Die Worte des Korans und der Überlieferungen über die das Versorgersein Gottes (im Sinne von Raziq und Razzaq), tragen sowohl in der allgemeinen als auch der speziellen Bedeutung diese beiden Eigenschaften: „der Geber der Gabe und dem, was davon profitiert“ in der allgemeinen Bedeutung und „der Geber dessen, was stabil ist und wächst.“ in der speziellen Bedeutung, wobei die spezielle Bedeutung näher liegt.[8]

Der Anteil des Menschen an diesem gesegneten Namen besteht darin, dass wir zuerst wissen sollten, dass niemand außer dem erhabenen Gott unser Versorger ist, und dass niemand außer Gott dieses Namens würdig sein wird, deshalb sollten wir auf Gott vertrauen und den Lebensunterhalt von niemand anderem erwarten, wie es in Vers 24 der Sure Saba heißt: “Sag: Wer versorgt euch von den Himmeln und der Erde? Sag: Allah.”. Auch Vers 19 der Sure Shura spricht vom gleichen Thema: „Allah ist Feinfühlig zu Seinen Dienern. Er versorgt, wen Er will. Und Er ist der Starke und Allmächtige.”

Der erhabene Gott kennt die Einzelheiten der Angelegenheiten seiner Diener und behandelt sie mit Freundschaft, Toleranz und Güte, und aufgrund eben jener Kenntnis der Einzelheiten ihrer Angelegenheiten bleibt ihm nicht eines seiner Geschöpfe verborgen, das seinen Lebensunterhalt braucht, und wegen seiner absoluten Macht erschöpft ihn das Versorgen seiner Geschöpfe nicht und aufgrund seiner Stärke kann ihn niemand daran hindern, für den Lebensunterhalt zu sorgen, und er ist in der Lage, zu tun, was er will.

Wir sollten auch wissen, dass die Schätze der Versorgung Gottes durch die Hände von Dienern verteilt werden. Also lasst uns die verschiedenen Arten der Versorgung Gottes, die uns zur Verfügung stehen, anderen geben. Wir lesen in Koran: „vergiß aber auch nicht deinen Anteil am Diesseits. Und tu Gutes, so wie Allah dir Gutes getan hat.“[9]

Unser Anteil an der Schaffung dieses göttlichen Namens besteht darin, so weit wir können, der Vermittler der materiellen und spirituellen Versorgung des erhabenen Gottes für seine Diener zu sein. Eine Person, die sich um die Familie kümmert und durch Arbeit die notwendigen Bedürfnisse ihrer Angehörigen erfüllt, hat diesen gesegneten Namen repräsentiert, oder wenn jemand Wissen hat und es seiner Familie weitergibt und sie auf den richtigen Weg führt, oder sie praktisch oder theoretisch erzieht, oder die Konsistenz der Persönlichkeit oder des Verstandes und des Geistes von Menschen gewährleistet, repräsentiert in Wahrheit diesen gesegneten Namen .

Deshalb werden wir, je mehr wir uns bemühen, die Vermittlerrolle von Gottes materiellem und geistigem Unterhalt für seine Diener in uns zu entwickeln, tatsächlich einen größeren Anteil an der Manifestation dieses gesegneten Namens haben.[10]

  1. Al-Rāġib al-Iṣfahānī, Mufradāt alfāẓ al-Qurʾān, S. 354
  2. Vers 19 der Surah Al-Kahf
  3. Vers 169 der Surah Al-Imran
  4. Vers 58 der Surah Dhariyat
  5. Vers 6 der Surah Hud
  6. Vers 22 der Surah Dhariyat
  7. Vers 5 der Surah Jathiyah
  8. Sadr ad-Din asch-Schirazi (Mulla Sadra), Šarḥ Uṣūl al-Kāfī, Bd. 2,S. 441
  9. Vers 77 der Surah Al-Qasas
  10. al-Kāšānī, Mullā Muḥsin Fayḍ: ʿIlm al-yaqīn fī uṣūl al-dīn. Bd. 1, S. 173.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert