Der Koran im Lichte des Korans

Der Heilige Koran ist ein Himmelsbuch, welches von Gott aus auf den letzten Seiner Botschafter, Hadhrat-i Muhammad ibn Abdullah (s.a.s) herab gesandt wurde. Der Koran dient dazu, den Menschen die Wahrheit vorzustellen und sie auf die höchsten Stufen des Wohls und Glücks zu führen. Der Koran ist das unvergängliche Wunder des erhabenen Propheten Muhammad (s.a.s). Die Verse dieses Buches wurden nach und nach, im Laufe von 23 Jahren, durch die Offenbarung auf ihn herab gesandt und bilden insgesamt 114 Suren. Der geehrte Prophet (s.a.s) hat die Verse des Korans genauso, wie sie ihm offenbart wurden – ohne ein Wort wegzulassen oder eines hinzuzufügen – für die Menschen verlesen, und die magnetische Anziehungskraft ihres Inhaltes hat die verständigen und nach der Wahrheit suchenden Menschen für das Bekenntnis zum Islam gewonnen.

Der Koran ist das letzte Himmelsbuch und folglich das vollständigste Konzept zur Rechtleitung der Menschen in Richtung Gott.

Um mehr über den Koran zu erfahren, ist es am besten, sich an ihn selber zu wenden und dieses Buch durch es selber kennenzulernen. Denn eine jede Sache kann sich selber am besten vorstellen. Dieses bedeutende Buch stellt sich mit Attributen vor, von denen jedes einen von mehreren Aspekten seiner Wahrheit wiedergibt. Hier sind einige seiner Attribute:

1 -Der Koran ist ein Buch, das seitens Gottes herab gesandt wurde:

In der Regel steht der Wert eines jeden Buches direkt mit dem Wert und der Bedeutung dessen, der es geschaffen hat, in Verbindung. Je größer der Schöpfer des betreffenden Werkes ist, desto größer ist demnach auch sein Werk.

Wenn von einem Buch die Rede ist, welches der Quelle des endlosen Wissens des weisen und  allmächtigen Herrn entspringt, dann wird einsichtig, dass der Inhalt dieses Buches über die menschlichen Kenntnisse hinausgeht und entsprechend der Größe seines Hervorbringers voller Wahrheiten, Weisheit, Licht und Rechtleitung ist: ((Dies ist) die Offenbarung des Buches (Koran) von Allah, dem Allmächtigen und Allweisen),[1] ((Dies ist) eine Offenbarung vom Allerbarmer (für alle Geschöpfe) und dem Gnadenvollen (zu den besonderen unter ihnen).[2]

Wie gesagt, ist dieses großartige Buch göttliche Botschaft und das Wort Gottes, für dessen Allwissen nichts verborgen ist, und für den es nichts gibt, was außerhalb Seiner Macht stünde. Daher sind der Text und der Inhalt dieses Heiligen Buches dergestalt, dass der Mensch, wenn er darin mit dem Auge des Verstandes und dem Blick eines Wahrheitssuchenden liest, dessen Feinheiten und Echtheit und direkte Verbindung zu Gott dem Höchsterhabenen tief im Herzen wahrnimmt, mit seinem Verstand begreift und diese Beziehung erkennt, ohne dass er über den Inhalt des Heiligen Korans hinaus noch etwas anderes dazu benötigen würde.

Der Heilige Koran sagt nicht nur, dass der Koran von Gott, dem Höchsterhabenen, kommt, sondern erklärt auch eindeutig, dass er seitens nichts und niemandem eine Änderung erfahren hat, als er den Menschen vorgestellt wurde. Dies erklärt er, damit jemand, der den Koran liest, weiß, dass – auch wenn er von einer so würdigen Person wie der geehrte Prophet (s.a.s) den Menschen verkündigt wurde, dieser dennoch auf keine Weise am Wort Gottes etwas verändert hat. Somit lässt sich also sagen, dass Gott, der Höchsterhabene, im Koran direkt die Menschen anspricht: (und er (der Prophet) redet nicht aus (eigener) Neigung. Es ist nur eine Offenbarung, die (ihm)eingegeben wird)[3]

Dieser Vers im Heiligen Koran macht deutlich, dass alles, was der Prophet den Menschen namens Heiliger Koran vorstellt, von irgendeiner formalen oder inhaltlichen Veränderung seinerseits frei ist und vielmehr unmittelbar genau das ist, was ihm seitens Gottes, des Höchsterhabenen, offenbart wurde. 

Zu Beginn der Sure (32) Sudschda lesen wir: (Die allmähliche Herabsendung des Buches (Koran) erfolgt zweifelsohne nur seitens des Herrn der Weltenbewohner).[4]

Dieser Vers hat zwei Wahrheiten klargestellt: Erstens, dass der Inhalt dieses Buches weder – wie seine Leugner behaupten – den Märchen und Mythen der Vorfahren entnommen wurde[5], noch die Lehre von anderen ist, die sich in den Werken der vorhergehenden Religionen auskannten[6]. Vielmehr ist es ein Buch, welches von Gott, dem Höchsterhabenen, herab gesandt wurde, wobei es so eindeutig dem Herrn zugeschrieben werden kann, dass keine Zweifel mehr bestehen bleiben.  Zweitens macht der obige Vers klar, dass dieses Buch einer Manifestation der Göttlichkeit des Höchsterhabenen entspringt.

Zur Göttlichkeit Gottes gehört per se, jedes Wesen der Vervollkommnung seiner Begabungen und Kräfte zuzuführen. Daher spiegelt die Hervorhebung der Bezeichnung   „Rabbi-l Alamin“  – Herr (und Erzieher)  der Weltbewohner – wieder, dass der Heilige Koran sich aus dem In-Erscheinung-Treten der unabdingbaren Voraussetzung für einen solchen  gesegneten Namen durch Gebote und Konzepte der Rechtleitung ergibt und daher einen endlosen Schatz von Wahrheiten über das Daseinsreich darstellt und im Rahmen des Religionskonzeptes Gottes, des Höchsterhabenen, ein Wegführer ist, der dem Menschen auf den Gipfel seiner Begabungen und Fähigkeiten verhelfen soll.

In einem anderen Vers lesen wir: (eine Offenbarung von Demjenigen, Der die Erde und die hohen Himmel erschaffen hat.)[7]– Dieser Vers verweist ebenso auf den Ursprung der Herabsendung des Heiligen Korans und die Herabsendung selber. Und zwar heißt es in diesem Vers, dass derjenige, der dieses Buch herab gesandt hat, mit dem Schöpfer der Erde und Erschaffer der endlosen Weite des Himmels identisch ist. Diese Beschreibung macht deutlich, dass noch zwei weitere Vorstellungen falsch sind. Erstens die Vorstellung, der Ursprung des Korans sei ein anderer als Gott, der Höchsterhabene, und zweitens der göttliche Ursprung sei dualistisch und es gäbe zwei Götter. Auf diese Weise wird die Herabsendung des Heiligen Korans keinem anderen Ursprung als dem einmaligen Wesen des Einen Gottes zugeschrieben. Im vorherigen Vers wurde gesagt, dass die Herabsendung des Heiligen Korans aus dem unabdingbaren Merkmal der Göttlichkeit hervorgeht und in dem eben genannten Vers wird das Gott-Sein als Schöpfer-Sein von Erde und endlosem Himmel beschrieben.

Auf diese Weise wird durch Hervorhebung der Einheit Gottes der Heilige Koran als ein Buch vorgestellt, welches von einer einzigartigen Wahrheit stammt, so dass jegliche falsche, polytheistische Vorstellung über seine Herabsendung komplett von der Hand gewiesen wird, ob es sich nun bei diesen falschen Vermutungen darum dreht, der Ursprung sei der geehrte Prophet (s.a.s)  oder seien die erhalten gebliebenen Mythen und Märchen der Vorfahren oder die Lehren aus den Schriften der Vorgänger des Propheten oder Manipulationen und Eingebungen von Satanen oder jede andere Art von völlig illusionären Dingen gewesen.

Speziell über die imaginäre Vorstellung, die Satane hätten bei der Herabsendung eine Rolle gespielt, erfahren wir aus dem Koran wie folgt: (Nicht die Satane sind mit ihm herabgekommen; es ziemt ihnen nicht, und sie können es (auch) nicht. Sie sind vom Hören fürwahr ausgeschlossen).[8]

Die Satane hätten also, selbst wenn sie es gewollt hätten, gemäß diesem Vers überhaupt nicht dieses Gotteswort herabsenden oder sich bei dem Hergang der Herabsendung einmischen und ihn beeinflussen können, Denn der Kanal, über den der Heilige Koran geoffenbart wurde,  war – von seinem Ausgangspunkt, dem Thron Gottes, bis zum Zielort, nämlich Herz und Zunge des erhabenen Propheten (s.a.s) – völlig rein und geschützt durch die göttliche Macht.[9] Und so verriegelt der Koran den Weg zu der  fiktiven Vorstellung, die Satane hätten daran teilnehmen und auf ihn einwirken können. Wenn sie diese Fähigkeit besessen hätten, hätten doch jene Tempelpriester und Leute, die mit den Satanen in Kontakt standen, dazu fähig sein müssen, eine Schrift wie den Koran vorlegen zu können. Aber die Geschichte bezeugt, dass niemand dazu in der Lage war. Dieses Unvermögen ist ein Beweis dafür, dass die Verse des Heiligen Korans von jemandem stammen, der die Macht der Menschen und der Teufel unendlich weit überragt.

Gemäß dem Inhalt einiger Verse scheint es vor der Berufung des erhabenen Propheten (s.a.s) der Fall gewesen zu sein, dass manchmal die Satane Zugang in die Himmel fanden und heimlich die Gespräche der Engel abhörten, um sie dann an ihre Freunde weiterzuleiten. Doch nach der Geburt und der Aussendung des Propheten (s.a.s)[10] wurden die Wege für ihr Eindringen blockiert und so wurde ihrem Belauschen ein Ende bereitet

Darüber hinaus wären, falls der Heilige Koran von einer anderen Quelle als Gott, der Höchsterhabene, herrühren würde, zweifelsohne zahlreiche Widersprüche in ihm anzutreffen: (Denken sie denn nicht sorgfältig über den Qurān nach? Wenn er von jemand anderem wäre als von Allah, würden sie in ihm wahrlich viel Widerspruch finden).[11]  In diesem Vers wendet sich der Heilige Koran mit der Aufforderung zum Taddabur an seine Leser und Zuhörer. Taddabur bedeutet Nachdenken; ein Nachdenken, basierend auf der Beachtung des Endergebnisses und der Konsequenzen einer Handlung und Sache und der tiefgehenden Betrachtung eines Themas. Der Heilige Koran erklärt, dass die gedankliche Vertiefung in ihn zu den Resultaten gehört, die sich daraus ergeben, dass jemand seine Herabsendung durch Gott, den Höchsterhabenen, akzeptiert. Der Koran argumentiert logisch, dass falls er nicht von Gott käme und aus den genannten verschiedenen Quellen stammen würde (eine Annahme, die natürlich völlig falsch ist), voller Widersprüche und Unstimmigkeiten hätte sein müssen, während dies jedoch keineswegs der Fall ist.

Außerdem bezeichnet der Koran sich eindeutig als ein Buch, in dem nicht nur hinsichtlich seiner göttlichen Herkunft, sondern in dem auch sonst in seinem Text keine einzige unklare Stelle vorkommt. Untersucht man die historischen Belege und Quellen kann man klar erkennen, dass außer dem Koran kein anderes Himmelsbuch mehr zu finden ist, welches so eindeutig und fest in Bezug auf sich selber eine solche wunderbare Eigenschaft bezeugt.

2 – Empfänger der Offenbarungsschrift Koran war ausschließlich der Erhabene Prophet, Hadhrat-i Muhammad (s.a.s):

Ein weiterer Aspekt, welchen der Heilige Koran in Bezug auf sich selber anführt, ist die Tatsache, dass die Offenbarung nur der vorzüglichen Person des geehrten Propheten (s.a.s.) eingegeben wurde. Die diesbezüglichen Verse ziehen einen Strich durch die fiktive Vorstellung, der Heilige Koran sei auf irgendeine andere Person außer Hadhrat-i Muhammad herab gesandt worden.

Hier einige Beispiele für Verse, die für diese Wahrheit zeugen:

a)   ( Sag: Wer (auch immer) Dschibril (Gabriel)  feind ist, so hat er ihn (den Qurʾān) doch mit Allahs Erlaubnis in dein Herz offenbart, das zu bestätigen, was vor ihm (offenbart) war, und als Rechtleitung und frohe Botschaft für die Gläubigen).[12] Dieser Vers bringt  eindeutig, wie man sieht, zum Ausdruck, dass der Heilige Koran gemäß dem Willen  Gottes, des Gepriesenen, und mit Seiner Erlaubnis durch Dschibril auf das Herz Hadhrat-i Muhammad (s.a.s) herab gesandt worden ist. 

b) (Denjenigen aber, die glauben und rechtschaffene Werke tun und an das glauben, was Muhammad offenbart worden ist – und es ist (ja) die Wahrheit von ihrem Herrn –, tilgt Er (Gott) ihre bösen Taten und bessert ihren Gemütszustand).[13] Dieser Vers weist auf die Gewährung einer Art besonderer Gnade und Vergebung Gottes hin, welche drei Dinge voraussetzt. Die erste Voraussetzung ist der Glaube an Gott, das zweite rechtschaffene Tun und die dritte der Glaube an den Koran, welcher auf Hadhrat-i Muhammad (s.a.s) herab gesandt worden ist; ein Buch mit der Wahrheit, das von ihrem Herrn geoffenbart wurde.

Dass der Glaube an das Buch, welches Hadhrat-i Muhammad (s.a.s) geoffenbart wurde, extra als weitere Bedingung für den Empfang jener besonderen Barmherzigkeit angeführt wurde, mag vielleicht daran liegen, dass möglicherweise jemand an Gott glaubt und rechtschaffene Werke vollbringt und auch Muhammad (s.a.s) als einen guten Menschen betrachtet, jedoch die Wahrheit leugnet, dass das Buch, das er erhalten hat, von Gott geoffenbart wurde, oder an dieser Wahrheit zweifelt. Wenn dem so ist, wird einer solche Person nicht diese besondere Gnade zuteil. Zudem zeigen die Worte „was Muhammad offenbart worden ist“ in diesem Vers erneut, dass dieses Buch nicht jemandem anderen geoffenbart wurde, und der Glaube an eben dieses bestimmte Buch ist es, der dazu führt, in den Genuss dieser besonderen Gnade Gottes zu gelangen.

3 – Der Koran ist ein segensreiches Buch:

((Dies ist) ein gesegnetes Buch, das Wir zu dir hinab gesandt haben, damit sie über seine Zeichen nachsinnen und damit diejenigen bedenken (und sich von ihm mahnen lassen), der Verstand besitzen).[14] Eines der Merkmale, mit denen sich der Heilige Koran vorstellt, ist seine Beschreibung als „segensreich“. Das Wort Mubarak (gesegnet) wird im Arabischen auf etwas verwendet, in dem sich Gutes und nachhaltiges Wachstum verbirgt.[15] Diese Beschreibung zeugt davon, dass das Wohl und die anhaltende Weiterentwicklung, welche die Lehren dieses Himmelsbuches mit sich bringen, nicht an eine bestimmte Zeit, einen bestimmten Ort oder bestimmte Leute gebunden, sondern für die gesamte Menschheit gedacht sind. Wenn die Menschen sich geistig und in der Praxis diesem Himmelsbuch anschließen, werden sie also ständig in den Genuss seines materiellen und immateriellen Segens gelangen, im Diesseits und im Jenseits.

4 – Der Koran bestätigt die vorhergehenden Offenbarungsschriften:

(Er hat dir das Buch mit der Wahrheit offenbart, das zu bestätigen, was vor ihm (offenbart) war. Und Er hat (auch) die Thora und das Evangelium (als Offenbarung) herab gesandt, zuvor, als Rechtleitung für die Menschen. Und Er hat die Unterscheidung herab gesandt…).[16] Der Heilige Koran stellt sich als bestätigendes Buch der ihm vorausgegangenen Himmelsbücher vor; als endgültige und vollendete Version der Lehren Gottes und zugleich als Wächter der vorhergehenden Lehren.

Der Heilige Koran führt die Wahrheit aller göttlichen Religionen auf ein und dieselbe Wahrheit und Lehre zurück, nämlich dass Gott, der Einzige Gott, den Menschen ein- und dieselbe Religion herab gesandt hat. Die feste zentrale Achse dieser einen Religion  besteht in der Ergebenheit des Menschen Gott gegenüber.[17] Diese eine Religion wurde lediglich der Menschheit von zahlreichen Propheten verkündigt, während  jeder von diesen mit einer eigenen Methode vorging, wobei  dennoch diese Propheten vom Wesen her durch etwas grundsätzlich Gemeinsames vereint waren, so dass ein jeder von ihnen, der in Erscheinung trat, die Offenbarungslehre seines Vorgängers bestätigte, das Niveau weiter anhob und den Vorzügen der vorhergehenden Lehren neue hinzufügte.

Auf diese Weise hat auch der Heilige Koran, welcher die Fortsetzung der vorhergehenden Religionslehren und die Endversion dieser einen Religion ist, die Offenbarungslehren, welche vor ihm herab gesandt worden sind, bestätigt und sich als ihr Behüter vorgestellt: (Er hat dir das Buch mit der Wahrheit offenbart, das zu bestätigen, was vor ihm (offenbart) war. Und Er hat (auch) die Thora und das Evangelium (als Offenbarung) herab gesandt, zuvor, als Rechtleitung für die Menschen. Und Er hat die Unterscheidung herab gesandt…).[18]

5 – Die Lehren des Korans sind für die Gläubigen Heilung und Barmherzigkeit:

(Und Wir offenbaren vom Qurān, was für die Gläubigen Heilung und Barmherzigkeit ist; den Ungerechten aber mehrt es nur den Verlust).[19] Der Heilige Koran nennt sich selber ein Buch, dessen Lehren und Inhalte eine Doppelfunktion erfüllen. Die Gläubigen werden, wenn sie sich an den Koran wenden, in seinen Versen und seinen Lehren Heilung und Barmherzigkeit für sich vorfinden, während diejenigen, deren Seele von dem Übel des Unrechts überschattet ist, aus seinem Inhalt und seiner Lehre nur Schaden und Verlust beziehen. 

Das arabische Wort (Schifa) (hier übersetzt mit Heilung) bedeutet so viel wie Befreiung von jeglicher unliebsamen Erscheinung und körperlichen oder seelischen  Störungen, und das Wort (Rahma) bedeutet „Güte und Barmherzigkeit erweisen“. Somit  bezeichnet sich der Koran als ein Buch, welches  – wenn jemand an Gott glaubt und mit dem Koran vertraut ist –dem Menschen entsprechend seiner Bemühung um Erkenntnis und Anwendung in der Praxis –zum Empfang der  göttlichen Segnungen und Güte verhilft, und gemäß dem Koran ist er ein Buch, welches – indem es die Basis für die Verwirklichung der inneren und äußeren Heilung und die Segnung mit der Barmherzigkeit und Gnade Gottes schafft, Ruhe und Ordnung anstelle von  Wirren und Störungen in das Leben des Menschen  einkehren  und  sein  Handeln im Diesseits und Jenseits mit Licht erfüllt und würdig werden lässt.

6 – Der Koran ist ein Buch, welches den Menschen den Weg zur Erkenntnis der Daseinswahrheit weist:

Der Koran bezeichnet sich selber als ein Buch der Rechtleitung, welches den Menschen mit Hilfe von Nachdenken und Vernunft zur Quelle der Daseinswahrheit führt. Zwar vermögen nicht alle Menschen, im gleichen Umfange aus dem Heiligen Koran Nutzen zu ziehen, aber keiner von denen, die seine vielen Rechtleitungen nutzen möchten, werden dabei leer ausgehen.

Der Koran betrachtet die erste Stufe seiner Rechtleitung als Rechtleitung für alle Menschen: (Der Monat Ramaḍān (ist es), in dem der Qurʾān als Rechtleitung für die Menschen herab gesandt worden ist und (er enthält) klare Beweise der Rechtleitung und (die Kriterien) der Unterscheidung (zwischen Wahrheit und Lüge)).[20] Somit kann jeder, der geneigt ist, den Koran zu nutzen, ungeachtet seiner Religion oder eines bestimmten Glaubens auf einer solchen Stufe in den Genuss der Rechtleitung durch ihn gelangen.

Die nächsthöhere Stufe gehört, unabhängig von Religion oder jeweiligem Glauben, denen, die darum bemüht sind, im Leben Reinheit zu bewahren und sich von Hässlichem zu enthalten. Dieser Gruppe wird noch mehr von der allgemeinen Rechtleitung des Korans zuteil: (Dieses Buch, an dem es keinen Zweifel gibt, ist eine Rechtleitung für die Gottesfürchtigen).[21] Ein noch stärkeres Niveau dieser Rechtleitung ist für die da, die an den Heiligen Koran glauben: (Und es ist wahrlich eine Rechtleitung und Barmherzigkeit für die Gläubigen).[22]

7 – Der Koran ist die richtige Referenzquelle für Lösung von Streitfragen auf dem Gebiet religiöser Themen:

Wie gesagt, umfasst der Heilige Koran als die letzte Offenbarung mehrere Ebenen der Rechtleitung und der Übermittlung von Kenntnissen über die Wahrheit der Daseinswelt aufgrund der Religionslehre von dem Einen Gott. Aus diesem Grunde kann er die geeignete Referenzquelle für die Lösung vieler religiöser Angelegenheiten im menschlichen Leben hinsichtlich Theorie und Praxis sein.

Die Gesamtheit der Meinungsverschiedenheiten unter den Menschen in Sachen theologischer Fragen kann nach den Stichpunkten Theorie und Praxis noch einmal in zwei große Kategorien aufgeteilt werden. Inwieweit die Ansichten in   theoretischen Fragen auseinandergehen, hängt vor allen Dingen mit der unterschiedlichen Einstellung und Lesart von Themen wie Gotteskunde, Gerechtigkeit Gottes, Propheten Schaft, Wissen über das Jenseits, Moral und ähnlichem zusammen. Auch gehen einige der Meinungsverschiedenheiten auf fehlende Kenntnisse über Art und Umfang der genannten Fragen zurück. Aus der Sicht des Heiligen Korans besteht eines der Ziele der Sendung von göttlichen Boten und der Herabsendung von Himmelsbüchern darin, mittels Anführung von Beweisen und überzeugenden und einleuchtenden Argumenten, jemanden über diese Angelegenheiten aufzuklären und die aus Unwissenheit resultierenden Meinungsverschiedenheiten in ein bewusstes Miteinander aufgrund von Erhellung umzuwandeln: (Die Menschen waren eine einzige Gemeinschaft. Dann schickte Allah die Propheten als Verkünder froher Botschaft und als Überbringer von Warnungen und sandte mit ihnen die Bücher mit der Wahrheit herab, um zwischen den Menschen über das zu richten, worüber sie uneinig waren…).[23] Auch der Edle Koran nimmt als die letzte und zugleich jüngste herab gesandte Offenbarungsschrift einen solchen Platz ein und besitzt diese Funktion.

Einige andere theoretischen Meinungsverschiedenheiten im Theologiebereich wurzeln darin, dass die gedanklichen Quellen und Lesarten bezüglich der betreffenden Themen unterschiedlich sind. Wir sehen daher beispielweise, dass sich dieser Unterschied in Gestalt der Verschiedenheit mancher jüdischen, christlichen und islamischen Denkweisen äußert.

Im Bereich der auf Religionslehre gestützten Lebenspraxis lädt außerdem der Heilige Koran, unter der Annahme, dass die Anhänger der Gottesreligionen nicht ihren vorrangigen Auftrag vergessen haben und nicht von der Liebe zu Gott, dem Gott-Dienen und der Befolgung der förderlichen Lehren der Offenbarungsschriften abgewichen sind, zu den Gemeinsamkeiten ein. Er ruft sie auf, sich der Fokussierung auf die Unterschiede zu enthalten: (Sag: O Leute der Schrift, kommt her zu einem zwischen uns und euch gleichen Wort: dass wir niemandem dienen außer Allah und Ihm nichts beigesellen und sich nicht die einen von uns die anderen zu Herren außer Allah nehmen…).[24]

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Im Zusammenhang mit der Annäherung der Religionen und der Gläubigen untereinander bei Streitfragen hat der Heilige Koran es als eine der Aufgaben des erhabenen Propheten (s.a.s) erklärt, die Wahrheiten der Offenbarungsschrift darzulegen und bei Streitigkeiten unter den anderen Gottesreligionen für die Lösung von betreffenden Fragen ein Urteil zu fällen: (Und Wir haben auf dich das Buch (den Koran) nur hinab gesandt, damit du ihnen das klar machst, worüber sie uneinig gewesen sind, und als Rechtleitung und (ewige) Barmherzigkeit für Leute, die glauben).[25]

Diese Bemühung um Rückkehr aller Gottgläubigen zur Achse der Einheit und Einmütigkeit geschieht, während  es unter den Menschen und das sogar unter denen, die ebenso die Welt theologisch deuten, eine Gruppe von Leuten gibt, die – weil sie ihre persönlichen Wünsche und Interessen oder die ihrer Gruppe verfolgen, in verschiedener Form Streit  hervorrufen und schüren: (dieses Mal waren sie sich selber über die Religion und das Buch uneinig und diese Meinungsverschiedenheit kam nur vonseiten jener auf, denen sie gegeben worden waren, und es waren Missgunst und Frevel, die sie zu dieser Uneinigkeit motivierten)..[26] Es liegt auf der Hand, dass diese Gruppe von Leuten, ihre Existenz und Überlegenheit darin gesichert sieht, dass die Streitigkeiten zwischen den Religionsgelehrten bestehen bleiben, und sie wird, statt nach Verständigung und Einheit zu streben, Meinungsverschiedenheiten und Zersplitterung  schüren und fördern.

Der Heilige Koran hat auch die  Muslime klar bezüglich der Frage, an wen sie  sich bei Streitfragen hinsichtlich theologischem Wissen und religiöser Praxis wenden sollen, aufgefordert,  Gott als Instanz der Befragung zu akzeptieren, was durch den Heiligen Koran verwirklichbar ist, und sich mit Fragen an Seinen Propheten zu wenden: (…Wenn ihr miteinander über etwas streitet, dann bringt es vor Allah und den Gesandten (mit der Bitte um ein Urteil) , wenn ihr wirklich an Allah und den Jüngsten Tag glaubt…).[27]

8 – Der Heilige Koran führt die Menschheit auf den sichersten Weg zum Glück:

Wie bereits dargelegt, hat aus der Sicht des Korans der Eine Gott eine einzige Religion für das Wohl und Glück der Menschen vorgestellt. Diese eine Religion wurde im Laufe der Zeit, jeweils angepasst an die Erfordernisse und die Weiterentwicklung der Menschheit, von nacheinander fünf großen Propheten, die Gott auserwählt hat[28], in Form von mehreren Ausgaben den Menschen verkündet. Dies geschah auf eine Weise, dass jeder Prophet eine Version, die neuer und vollständiger als die seines Vorgängers war, mitteilte und, indem er die vorherigen Propheten bestätigte und die Lehre, die sie erhalten hatten, entsprechend der gewachsenen menschlichen Weiterentwicklung auf ein höheres Niveau brachte, über die Schäden aufklärte, welche der himmlischen Lehre ihres Vorgängers im Laufe der Geschichte von Opportunisten und unlauteren Leuten zugefügt worden waren. Somit hat jeder neue Prophet den Menschen alle wahren und grundlegenden Lehren des vorherigen Propheten unter Erweiterung durch neue, weiter entfaltete Lehre verkündet, damit der Mensch einen zuverlässigen Weg beschreitet und den Weg der Gottdienstbarkeit, des Wachstums und seines Wohls und Glücks im Diesseits und Jenseits geht.  

Der  Heilige Koran hat, als die letzte Urkunde der Gottesoffenbarung und das vollendete Himmelsbuch, ebenso die Grundlagen der wertvollen  Lehren der vorherigen Propheten in sich vereint, wobei er sie durch die jüngsten Offenbarungslehren Gottes ergänzte, und die Menschen auf einen festen, geraden, klaren und beständigeren Weg als alle andere Wege rechtleitet:  (Gewiss, dieser Qurān leitet zu dem, was richtiger und fester  und wertvoller (von allen Wegen) ist, und verkündet den Gläubigen, die rechtschaffene Werke tun, dass es zweifelsohne für sie großen Lohn geben wird).[29]

So weist der Heilige Koran Klarheit hinsichtlich des offenbarten Denkens auf und ist verständlich und frei von jeglicher Verneblung und jeglichem Aberglauben. Er besteht aus Lehren, welche den Menschen vor Lethargie und Depression retten und zu guten Taten und zur Vitalität aufmuntern, seine verborgenen Kräfte zur Entfaltung bringen und den Einzelnen mit der Daseinswelt in Einklang bringen.  

9 – Der Koran ist ein weiser Aufruf zur Hinwendung zu dem Einen Gott:

Vernünftige Überlegung und Glaube aufgrund von Wissen und Nachdenken gehören zu den grundsätzlichsten Lehren des Korans und zu den wichtigsten Merkmalen seiner Aufforderung. Aus der Sicht des Heiligen Korans darf der Glaube an Gott, die Sendung des letzten Propheten und danach der Glaube an dieses Gottesbuches nicht aufgrund von Nachahmung oder der Befolgung einer geläufigen kulturellen Gewohnheit oder irgendeinem anderen Motiv erfolgen. Denn aus seiner Sicht ist Glauben nichts anderes als eine bewusste und freie Entscheidung, die aufgrund von vernünftiger Überlegung und rationaler Anerkennung beruht. Deswegen hat Gott, der Höchsterhabene, Seinen Erhabenen Propheten (s.a.s) angehalten, allen Weltenbewohnern dieses grundlegende Prinzip zu verkünden: (Sag: Das ist mein Weg: Ich rufe zu Allah aufgrund eines sichtbaren Hinweises, ich und diejenigen, die mir folgen).[30]

Der Heilige Koran sagt, dass er aus Versen besteht, die den Verstand des Menschen aufrufen, nach Wissen über die Offenbarungslehren zu streben, aber er erklärt zugleich, dass nur diejenigen in den Genuss des Segens namens Rechtleitung gelangen, die sich auf zuverlässiges Wissen stützen, wenn sie die Offenbarung befolgen: (Dies (der Heilige Koran) sind Einsicht bringende Zeichen für die Menschen und Rechtleitung und Barmherzigkeit für Leute, die (von den Wahrheiten) überzeugt sind).[31]

Das Arabische Wort (Basa`ir) ist die Mehrzahl von (Basira) und Basira bedeutet „tiefe Einsicht“. Weil der Heilige Koran nicht an Zeit und Ort gebunden ist, stellt er alle seine Einsicht spendenden Aussagen und Lehren nicht nur denen, die an ihn glauben, sondern allen Menschen zur Verfügung und ruft ihren Verstand und Geist auf, nachzudenken und zu hinterfragen. Und dann wird jemand, der durch bewusste Entscheidung und aufgrund zuverlässigen Wissens sich zum Befolger der Lehren des Korans entwickelt hat, laut Koran die Gnade Gottes auf sich ziehen und hohe Stufen der Rechtleitung erreichen.

10 -Der Koran ist ein Buch für die Erwiderung aller biologisch-religiösen Bedürfnisse des Menschen:

Der Mensch hat neben seinem Gespür für das Materielle, welches für die notwendige Motivation zu einem normalen weltlichen Leben sorgt, auch noch ein anderes Gefühl, nämlich den Sinn für das Immaterielle.[32] Die Lehren des Heiligen Koran bezeichnen diese nach dem Immateriellen verlangende Seite des Menschen als (Fitra). Der Mensch ist aus der Sicht des Korans bei der Erschaffung auf eine Weise gestaltet worden, dass sein zum Immateriellen neigender Sinn nur zur Ruhe kommt, wenn er intuitiv die Existenz Gottes als eine höhere und mächtige Wahrheit, anerkennt.[33] Daher stellt der Heilige Koran die Neigung, nur den einen Gott anzubeten, als die „naturgemäße“ (fitri) Religion vor, die im Wesen des Menschen verankert ist.[34]

Somit haben die Menschen auf der Ebene des Unterbewusstseins oder intuitiver Empfindungen immer tiefgehende immaterielle Bedürfnisse und Fragen und möchten durch ihre Erwiderung ein besseres Leben kennenlernen und ihrem Leben einen Sinn verleihen.

Der Heilige Koran ist ein Buch, welches sich als eine geeignete Quelle für die Beantwortung aller Bedürfnisse nach Rechtleitung und einem religiösen Leben und der tieferen Deutung des menschlichen Lebens vorstellt, vorausgesetzt der Mensch fasst den Entschluss, sich der Wahrheit gegenüber zu ergeben, sie anzuerkennen  und zu befolgen: (Und Wir haben dir das Buch nach und nach offenbart als klare Darlegung von allem und (ebenso) als Rechtleitung, Barmherzigkeit und frohe Botschaft für die (Allah) Ergebenen (die den Islam angenommen haben).[35]

11 – Der Koran ist ein Buch, das ins Licht führt und den Menschen aus der Dunkelheit befreit:

Der Begriff Nur (Licht) und die Ableitungen des Begriffes Zulma (Dunkelheit) werden in zahlreichen Versen des Heiligen Korans verwendet.[36]

Koranforscher haben sich zwar unterschiedlich über diese beiden Begriffe und ihre Bedeutung im Koran geäußert. Fest steht jedoch, dass diese beiden Wörter im übertragenen Sinne gemeint sind und für Helle und Klarheit gegenüber Unklarheit und Trübung, Wahrhaftigkeit und Reinheit gegenüber Befleckung sowie Bewusstsein und Wissen im Gegensatz zur Unwissenheit stehen.

Wie zuvor dargelegt, ist die Offenbarung ein Wort, welches von Gott, dem Allwissenden und Weisen, den Menschen zu ihrer Wegführung herab gesandt wurde und die Wahrheiten kundgibt, deren Kenntnis und die auf ihnen basierende Gestaltung des Programms für das Diesseits sich positiv auf das materielle Leben und den Geist des Menschen auswirken. Diese Offenbarung knüpft zwischen den Menschen und den sichtbaren und verborgenen Wahrheiten der Daseinswelt ein festes Band. Daher stellt sich der Heilige Korans als ein Buch vor, welches seine Anhänger zur Helligkeit führt und aus den Finsternissen befreit: (… ein deutliches Buch; mit dem Allah diejenigen, die Seinem Wohlgefallen folgen, die Wege des Heils leitet und sie aus den Finsternissen hinaus mit Seiner Erlaubnis ins Licht bringt und sie zu einem geraden Weg leitet).[37]

Anders ausgedrückt lässt sich sagen, dass der Heilige Koran unter allen erzieherischen, moralischen, materiellen und immateriellen Vorzügen, die aus dem Bekenntnis zu der Authentizität der Offenbarung und dem Befolgen Gottes, des Höchsterhabenen, und der Lehre des Korans resultieren, eine Hinführung zum Licht und eine Rettung aus der Finsternis versteht. Denn in Bezug auf Wissen bewirkt die Befolgung dieser Lehre, dass dem Menschen das wahre Gesicht der Welt klar wird und dank dieser Bewusstmachung durch das Licht der Offenbarung die Schleier der Unklarheit für ihn beiseite weichen und seine Unwissenheit endet. In Bezug auf die Praxis hat dies zur Folge, dass er sein Handeln läutert und sein Herz erhellt und rein wird.

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Es fällt auf, dass das arabische Wort für Finsternis (Zulma) im Koran nur in der Mehrzahl angewandt wird ( Zulumat) – während (Nur),  nämlich das Wort für Licht, in der Einzahl vorkommt. Dieser Unterschied im Heiligen Koran kann uns auf einen weiteren Punkt aufmerksam machen, der dafürspricht, dass die Wahrheit und die Wirkungen der Koranverse nur aus ein und derselben Quelle stammen, so dass sich sagen lässt, dass Glaube, Gottesfürchtigkeit und all das Gute und die Tugenden, welche dank des Lichtes des Ein-Gott-Glaubens im Menschen entstanden sind, miteinander zu einem Ganzen verschmelzen. Auf diese Weise wird der Mensch zu einem homogenen Wesen, dessen Denken, Moral und Handeln sich sämtlich parallel zueinander und zum Verlauf der Wahrheit bewegen, und das Rettung findet, so dass derartig weiterentwickelte Menschen die Voraussetzung für eine homogene, gesunde und höhere Gesellschaft schaffen.

Die Verwendung ausschließlich der Mehrzahl von Zulma zeigt außerdem, wie viele Formen das Hässliche, die Unaufrichtigkeit und Unwissenheit im Menschen annehmen und wie vielfältig es zur Persönlichkeitsspaltung und zu Klüften in der Gesellschaft und zwischen den Menschen führen kann. Tatsächlich weisen Unrechttuende und die Frevler und Abweichler noch nicht einmal auf ihren eigenen Irrwegen Homogenität, Einmütigkeit oder Bereitschaft zur gegenseitigen Unterstützung auf, sondern sie geraten sogar meistens sofort aneinander, wenn ihre Interessen sich widersprechen.

12 – Der Heilige Koran berichtet wahrheitsgemäß aus dem Leben der Propheten und über die vorangegangenen Völker:

Berichte über die Dinge, die sich in vorherigen Epochen ereignet haben, gehören zu den Möglichkeiten, durch die sich die Menschheit mit der Vorgeschichte der Welt und ihrer eigenen Entstehung vertraut machen oder über die Vorgeschichte menschlichen Denkens und der Religionen erfahren kann. Solche Berichte sind eine Methode, um die menschlichen Erfahrungen an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben. Abgesehen von dem, was bei allen Völkern als mündliche und kulturelle Tradition existiert, gibt es fast kaum ein Buch unter den heiligen Schriften, das nicht über die Geschichte von der Entstehung der Welt bis zu den verschiedenen Erlebnissen der früheren Propheten berichtet hätte. Von dieser allgemeinen Regel ist auch der Heilige Koran nicht ausgenommen. Er hat sich bei verschiedenen Gelegenheiten diesem Thema gewidmet. Aber der Umgang des Korans mit diesem Thema unterscheidet sich davon, wie andere bekannte Bücher es behandeln. Gemäß eigener Aussage ist der Heilige Koran nicht bestrebt, Ereignisse zu schildern und Geschichten zu erzählen, sondern er wendet sich nur den wichtigen und jenen Ausschnitten und Teilen der Geschichte zu, welche sich mit den Zielen seiner Offenbarung decken und dem Weg der Rechtleitung durch den Heiligen Koran dienen.

Die diesbezügliche Vorgehensweise des Korans besteht darin, dass er, anstelle (Qissa) – Erzählungen – der Vorfahren darzubieten, über einen Teil der wahren Ereignisse, mit anderen Worten über die (Qasas)[38] berichtet: (Wir berichten dir die besten Geschichten dadurch, dass Wir dir diesen Qurān (als Offenbarung) eingegeben haben, obgleich du zuvor zu den Ahnungslosen gehörtest).[39]

Die Qasas (Geschichten) des Korans weisen drei grundlegende Merkmale auf:

a) Das, was der Heilige Koran an Geschichten bringt, sind Berichte, die voll und ganz der Realität entsprechen und von jeglicher Phantasie und allem Märchenhaften frei sind – Es ist nämlich von Qasas die Rede

b) Der Heilige Koran widmet sich nur einem oder einigen Ausschnitten aus einer wahren Geschichte, und zwar denen, welche am besten den rechtleitenden Zielen des Korans dienen: es heißt nämlich Ahsan al-Qasas (die besten Geschichten) 

c) Die Geschichten im Koran stammen nicht aus der mündlichen Überlieferung früherer Völker oder der Menschen zur Zeit der Herabsendung des Korans, sondern sie wurden dem geehrten Propheten (s.a.s) direkt durch die Offenbarung mitgeteilt: (dadurch, dass Wir dir diesen Qurān (als Offenbarung) eingegeben haben).

Wenn also die Geschichten im Koran teilweise mit dem, was in den heiligen Schriften steht, übereinstimmen, geht es darauf zurück, dass sie einen gemeinsamen Ursprung haben, nämlich die Offenbarung, und das ist vollkommen annehmbar. Was jedoch die Unterschiede zwischen diesen Geschichten betrifft, so ist das, was der Heilige Koran wiedergibt, weil es unmittelbar zur Offenbarung gehört, ein geeignetes Kriterium um festzustellen, welche der Erzählungen korrekter ist.  So kommt es, dass der Heilige Koran sagt, dass einige der Qasas (der Berichte) der Klärung von Meinungsunterschieden dienen sollen, welche damals (und eventuell weiterhin) zwischen den Anhängern von Hadhrat-i Musa (a.s) bestanden (oder weiter bestehen): (Gewiss, dieser Qurʾān erzählt den Kindern Isrāʾīls (Jakobs) das meiste (der Wahrheit) von dem, worüber sie uneinig sind).[40]

13 – Der Heilige Koran ist ein einzigartiges, unnachahmliches Buch:

Es besteht natürlich kein Zweifel darüber, dass bei der Niederschrift des Heiligen Korans wie bei jedem anderen Buch ein bestimmtes Alphabet und eine bestimmte sprachliche Struktur herangezogen wurde, wie sie Menschen beim Schreiben oder bei Gesprächen oder in der Umgangssprache verwenden. Das Arabische gehört zu den Weltsprachen und ist eine der reichsten und lebendigsten von ihnen. Aus der arabischen Sprache sind zahlreiche Werke auf dem Gebiet der Literatur, Wissenschaft, Geschichte und auf weiteren Gebieten hervorgegangen. Außerdem wurde der Heilige Koran in dieser Sprache geoffenbart. Er spricht auf Arabisch zu den Menschen.  

Jedes sprachliche Werk ist für sich und entsprechend aller seiner Semantik einmalig, aber dennoch besteht unzweifelhaft die Möglichkeit, durch Anwendung derselben Sprache einen ähnlichen Text, der sich mit diesem Werk vergleichen lässt, aufzustellen.

Aber Der Heilige Koran sagt, dass diese Möglichkeit in Bezug auf ihn nicht existiert, weder in Form eins vollständigen Buches noch in Form von nur 10 Suren[41] oder auch nur in Form eines einzigen Verses: (Sag: Wenn sich die Menschen und die Dschinn zusammentäten, um etwas beizubringen, was diesem Qurān gleich wäre, sie brächten nicht seinesgleichen bei, auch wenn sie einander Beistand leisten würden)[42]

Dass das Vorhaben einer Nachahmung aufgegeben wird, liegt nicht nur daran, dass die sprachliche Struktur des Korans eine brillante literarische Stufe erreicht[43], sondern es hat unter anderem auch damit zu tun, dass sein Inhalt und seine Wunder und Tiefe auf Offenbarung beruhen, so dass eine Nachahmung des Heiligen Korans nicht möglich ist. Zudem erklärt der Heilige Koran seinen reichen Inhalt als wahr und rein von jeglicher Kompliziertheit, die Unklarheit hervorrufen könnte. Denn er sagt: (in diesem) arabischen Qurʾān, an dem nichts Krummes ist, – auf dass sie gottesfürchtig werden mögen).[44]

In diesem Vers des Heiligen Koran hat er unter Verwendung des arabischen Wortes Arabi im Sinne von „deutlich machen“ und „von Unklarheit befreien“[45] nicht nur die Sprache und das Vokabular des Korans, sondern auch seinen Inhalt als äußerst klar und als frei von jeglicher Kompliziertheit vorgestellt; nämlich frei von jenen Verschlingungen und jener Kompliziertheit, welche das Verständnis eines Textes erschweren und den Gedankenfluss bei der Analyse und bei Rückschlüssen stören. 

Genauer ausgedrückt, lässt sich sagen, dass einerseits die Sprache, in welcher der Koran gelesen wird, das Arabische ist, während anderseits sein Inhalt, seine Botschaften und seine Lehre arabi sind, nämlich „arabi“ im Sinne von klar, unkompliziert und eindeutig. Es ist diese Eigenschaft des Korans, die es dem Menschen ermöglicht, über den Inhalt des Heiligen Korans tiefer nachzudenken, ohne unbedingt den Sinn der arabischen Wörter im Koran bis ins Detail zu kennen, und dies liegt daran, dass der Inhalt des Heiligen Korans „arabi“  im Sinne von klar, wahr und  einfach ist.[46]  Es ist diese besondere textliche und inhaltliche Eigenschaft, welche den Koran unnachahmlich macht, so dass bis heute auch jeder Versuch, ihn nachzuahmen gescheitert ist, wodurch  die Unnachahmbarkeit dieses Offenbarungstextes noch offensichtlicher wird.

Davon abgesehen ist der Heilige Koran ein Buch, welches von Anfang bis Ende eigenständig ist. Er beruht auf der jüngsten und letzten Herabsendung göttlicher Offenbarung und lehnt sich an kein anderes Buch an. Selbst wenn wir die Simulation des Heiligen Korans hinsichtlich Sprache und der sprachlichen Struktur und dem Inhaltsreichtum und verschiedener seiner Wunder in naher Zukunft mit Hilfe der künstlichen Intelligenz und einiger Fortschritte in der Wissenschaft für möglich halten, so wird es sich dabei um einen durch den Menschen oder die künstliche Intelligenz oder irgendeine andere Errungenschaft simulierten Koran handeln, für den zwangsläufig vorher Wissen und menschliche Erfahrungen herangezogen wurden oder der sich auf  das Muster und den Inhalt älterer Bücher oder sogar auf den Text und den Inhalt des Heiligen Korans stützt. Dieser entliehene und simulierte Koran wird nicht im Besitz des wichtigsten und grundlegendsten Merkmals sein, das dem wahren Heiligen Koran zu eigen ist, nämlich aus göttlicher Offenbarung zu stammen, und das wird als Argument dafür genügen, dass er weder dem Original ähnelt noch mit ihm vergleichbar ist.


[1]  Sure ( 39) Zumar, Vers 1, Sure (45) Dschathiya Vers 2, Sure (46), Ihqaf, Vers 2.

[2] Sure (41) Fussilat, Vers 2.

[3] Sure (53) Nadschm, Vers 3 und 4.

[4] Sure (32) Sudschda, Vers 2.

[5]Sure (8) Anfal, Vers 31: (Und wenn ihnen Unsere Zeichen verlesen werden, sagen sie: „Wir haben es bereits gehört. Wenn wir wollten, könnten wir fürwahr etwas Gleichartiges sagen. Das sind nur Fabeln der Früheren“).

[6] Sure (16) Nahl, Vers 103: (Und Wir wissen sehr wohl, dass sie sagen: „Es lehrt ihn nur ein menschliches Wesen.“ Die Sprache dessen, auf den sie hinweisen, ist eine fremde, während dies hier deutliche arabische Sprache ist).

[7] Sure (20) Ta-Ha, Vers 4.

[8]Sure (26)  Schu`ara, Verse 210-212.

[9]Sure (15) Hidschr, Vers 9: (Gewiss, Wir sind es, die Wir die Ermahnung offenbart haben, und Wir werden wahrlich ihr Hüter sein).

[10] (und Wir haben ihn vor jedem gesteinigten Satan behütet, außer demjenigen, der verstohlen zuhört, worauf ihn ein deutlich erkennbarer Leuchtkörper verfolgt), Sure (15) Hidschr, Vers 17 u. 18.

[11] Sure (4) Nisa, Vers 82.

[12] Sure (2) Baqara, Vers 97.

[13] Sure Muhammad, Vers 2.

[14] Sure (38)  Sad, Vers 29.

[15]s. Raghib al-Isfahani, Mufradat al Faz al Quran, S. 119.

[16]Sure (3) Al-i Imran, Verse 3 u. 4.

[17] (Gewiss, die Religion ist bei Allah der Islām …), Sure (3) Al-i Imran, Vers 19.

[18] Sure (3) Al-i Imran, Vers 3 u. 4.

[19]Sure (17) Isra, Vers 82.

[20] Sure (2) Baqara, Vers 185.

[21]  Sure (2) Baqara, Vers 2.

[22]Sure (27) Naml, Vers 77.

[23]Sure (2) Vers 213.

[24]Sure (3), Vers 64.

[25] Sure (16) Nahl, Vers 64.

[26]Sure (2) Baqara, aus Vers 213.

[27]Sure (4) Nisa, Vers 59.

[28]Die 5 Propheten Gottes, von denen jeder den Menschen eine Ausgabe von dieser einen Gottesreligion überbrachte, die vollständiger war als die ihres Vorgängers, werden Ulul Azm genannt (Erzpropheten). Diese 5 großen, auserwählten Propheten waren: Adam, Nuh, Musa, Isa und Muhammad, der letzte Gesandte Gottes – Gottes Segensgruß sei ihnen allen.

[29] Sure (17) Isra, Vers 9.

[30]Sure (12) Yusuf, Vers 108.

[31] Sure (45) Dschathiya, Vers 20.

[32]Unter dem Sinn für das Immaterielle ist die Neigung des Menschen zur Verbindung mit einer höheren Wahrheit zu verstehen. Diese Tendenz ist ein nicht zu leugnendes Bedürfnis der Menschen, welches sie einen Sinn im Leben erkennen lässt und vor dem Nihilismus bewahrt. Das Gefühl für das Immaterielle deckt sich mit einem natürlichen Wunsch, welcher in der Wesensstruktur des Menschen verankert ist. Jenseits der Tradition der Gottesreligionen haben viele Denker die Existenz dieses Sinnes zugegeben, wobei allerdings ihre Meinungen darüber, wie er zu definieren sei, auseinandergehen.  Dennoch sind sich diese Denker darin einig, dass Religion und Religiosität zu den Wegen gehören, die das Gefühl für das Immaterielle im Menschen erwidern. Zu diesen Denkern zählt Carl Gustav Jung, Abraham Maslow, Albert Einstein, William James, Viktor Frankl und gehören weitere.

[33] (Sicherlich, im Gedenken Allahs finden die Herzen Ruhe!), Sure (13) Ra`d, Vers 28.

[34](So richte dein Gesicht aufrichtig zur Religion hin als Anhänger des rechten Glaubens, – (gemäß) der natürlichen Anlage Allahs, in der Er die Menschen erschaffen hat. Keine Abänderung gibt es für die Schöpfung Allahs. Das ist die richtige Religion. Aber die meisten Menschen wissen nicht), Sure (30) Rum, Vers 30.

[35]Sure (16) Nahl, Vers 89.

[36]Der Heilige Koran verwendet das Wort „Nur“ (Licht) und Ableitungen von ihm in 194 Fällen.  Das Wort „Zulma“ (Dunkelheit) selber wurde nicht in dieser Form im Koran verwendet, aber Ableitungen von ihm kommen ungefähr 22-mal vor.

[37]Sure (5) Maida, Vers 16.

[38] (Qassa) bezeichnet im Arabischen die Wiedergabe eines Ereignisses, welches tatsächlich geschehen ist. Daher unterscheiden sich Qasas erheblich von Erzählungen mit mythischem Charakter, die nicht auf die Wahrheit zurückgehen. Das Wort Qissa bezieht sich auf eine Erzählung, aber Qasa bedeutet die Wiedergabe einer wahren Geschichte. S. Hassan Mustafawi, al Tahqiq, Bd. 9, S. 304.

[39]Sure (12) Yusuf, Vers 3.

[40]Sure (27) Naml, Vers 76.

[41](Oder sagen sie: Er hat ihn ersonnen“ Sag: Dann bringt doch zehn ersonnene Suren bei, die ihm gleich sind, und ruft an, wen ihr könnt, außer Allah, wenn ihr wahrhaftig seid), Sure (11) Hud, Vers 13.

[42]Sure (17) Isra, Vers 88.

[43](Und er ist ganz sicher eine Offenbarung des Herrn der Weltenbewohner; mit dem der vertrauenswürdige Geist herabgekommen ist; auf dein Herz, damit du zu den Überbringern von Warnung gehörst; in deutlicher arabischer Sprache), Sure (26 ) Schu`ara, Vers 192 bis 195.

[44]Sure ( 39 ) Zumar, Vers 28.

[45]s. Hasan Mustafawi, Al Tahqiq, Bd. 8, S. 88

[46] (Wir haben es als einen Qurʾān in klarer Sprache hinab gesandt, auf dass ihr begreifen möget), Sure (12) Yusuf, Vers 2.

 

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